Skan goes Chi Gong
von Jean Magro. Skan Bodyworker, Tai Chi und Chi Gong Lehrer
Mit großer Freude habe ich das Buch „Youfagong-Methode der induzierten Bewegung" von Prof. Jiao Guorui* gelesen, denn dort beschreibt der Vertreter des Qigong Yangsheng eingehend die von ihm so genannten „spontan Bewegungen".
*Medizinisch-literarische Verlagsgesellschaft mbH Uelzen
Von dem Punkt an wurde ich sehr hellhörig - besser gesagt „hellsichtig“ - denn dieser Mann beschreibt auf einmal irgend etwas das ich nach wenige Sitzungen erfahren hatte. Ich fing damals (´85-´86) damit an und hatte noch nicht das Instrumentarium, das ich mit Skan bekam.
Beim Qigong sah das ungefähr so aus: Ich übte ein paar
festgelegte Übungen aus, meistens im Stehen, und nach kurzer Zeit fing der Körper an zu zittern. Das Zittern konnte sogar in völlig unkontrollierten Bewegungen der Arme ausarten. lch hätte sie mit grossem Willen kontrollieren können, aber ich ließ es, wahrscheinlich aus Neugierde, geschenen. Letztlich war das Geschehene nicht unangenehm. Ich kann nicht sagen, daß mich die Sache beunruhigte, aber mit dem zeitlichen Abstand hatte ich den Eindruck, daß mein damaliger Lehrer der Sache gewachsen war. Erst durch Skan erfuhr ich, daß es sich um Entladung handelte, und so konnte ich überhaupt den Körper als energetische Masse wahrnehmen.Gleichzeitig, da ich beide Therapieformen Skan/Tai Chi - Chi Gong praktiziere, bin ich erleichtert und dankbar für die gewissenhafte Auslegung der „spontanen" Bewegung von Guorui. Erleichtert, weil ich mich seitdem gewundert hatte, über diese „informellen" Bewegungen in der Fachliteratur nichts zu finden. Fast als ob die Sache nicht ganz koscher sei, um nicht zu sagen, tabu. Es ist fast, als ob ein Kind in einer Familie aufwachsen würde, wo keiner vom einem Opa spricht. Langsam erfährt das Kind, dass dass Dinge in der Familie geheimgehalten werden müssen. „…man spricht nicht darüber…“keiner weiss, was sich damals abgespielt hat…“ - eine Art kollektive Vergesslichkeit.
„Es gerät einem aus den Fugen
Diesen Satz kann ich wortwörtlich auf die spontanen Bewegungen taxieren. Und auf einmal kommen Bilder von Hexen, die verbrannt wurden und für alle Konsorten, die aus der Norm fielen. Lassen Sie uns mal ein Beispiel aus dem Alltag nehmen:
Sie laufen ganz gelassen den Ku´damm runter und fangen urplötzlich an, mit dem Arm zu zucken und lassen dabei gelegentlich einen Arm seitlich schwingen, Sie können den Arm auch wechseln oder auch beide Arme hin und wieder schwingen lassen, Takt wechseln wäre auch nicht schlecht. Sie bleiben „normal", geniessen das schöne Wetter und....... beobachten dabei, wie die Leute reagieren. Zeigen Sie dabei nicht, das sie jenes zum Rumblödeln tun, sondern weil Sie einfach so sind!
Ich wette mit Ihnen, dass sich sehr schnell viele Passanten von Ihnen entfernen werden. Warum? Weil sie wohl denken werden, dass Sie nicht „alle Tassen im Schrank haben" und vor allem, weil sie Sie als bedrohlich wahrnehmen werden, obwohl Sie kein Anliegen haben, sie zu bedrohen.
Michel Foucault hat schon darüber diskutiert, wie Macht das Raum-Zeitgefüge prägt; je fester diebes Gefüge wird, desto grösser die Kontrolle über die Masse. Der ausgeführte Krieg ist eine weitere Prägung der industriellen Welt in eine Gegend, die eine völlig andere um nicht zu sagen konträre Darlegung des Zeit/Raumes ausagiert. Dieses Modell wird heutzutage Globalisierung genannt, das Wort wirkt gewiß milder als der Terminus Kolonialisierung.
Unser Verhalten, die Körpersprache wird auch sehr stark von Macht kodiert. Der Machthabende gibt den guten Ton an.
Guoruis´Schilderung der spontanen Bewegungen bleibt jenseits jeglicher Bewertung, denn als Chinese hat er Chi Gong erfahren und ist damit aufgewachsen. Man bedenkt, das Chi Gong einen Tun (an der Stelle möchte ich nicht von Wissen reden, denn Chi Gong hat viel mehr mit einem innerlichen körperlichen Prozess, den man an sich selbst erfährt und durchlebt zu tun) entspricht, dass sich bis vor das 11 Jh. vor Chr. zurückverfolgen lässt.
Er lässt seinen Onkel Jiang Weiqiao 1953 sprechen: „Wenn die Ruhe den äußersten Punkt erreicht haben wird, wird die Bewegung entstehen.“ Er selbst später: „Hat die Ruhe ihren äußersten Punkt erreicht, so entsteht Bewegung. Die Bewegung entzieht sich jeder Beeinflussung. Erreicht sie ihren Höhepunkt, kehrt sie zur Ruhe zurück. So bilden Ruhe und Bewegung eine Einheit.“ Ferner von Hu Hozhen formuliert: „Eure Bewegung ist für eine Heilung von Nutzen und hat keine schädlichen Wirkungen"
Gleichzeitig kommentiert Guorui: „Fließendes Wasser fault nicht, eine Türangel rostet nicht, doch scheint es nicht unbedingt angemessen, das Zifagong (eine Chi Gong Form) zu mystifizieren und mit geheimnisvollen Auslegungen zu umkleiden.“ Es wird auch hinterfragt, ob die Bewegung wirklich spontan ist und er kommt zu dem Schluss, dass die Bewegung eher induziert ist aufgrund des Trainings von Vorstellung (Bewegung) und Sprache (Laute werden gesprochen).
Interessant wird es, wenn er beim Säugling ansetzt und beschreibt die Induktion der Eltern in Form von Lautung bestimmter Wörter, die wiederum bestimmte Reize bei dem Säugling initiieren. Ich habe wiederum erfahren, dass die spontanen Bewegungen auch bei Chi Gong Formen, wo keine Laute gesprochen werden, einsetzen. Wie auch immer halte ich in erster Instanz die Frage der Spontaneität oder der Induktion für weniger wichtig, denn das Atmen bei der reichanischen Arbeit kann man als Induktion betrachten die auch „spontane" Bewegungen auslöst. Essentiell dabei ist die Betrachtung dieser Bewegung als Entladung des Körpers.
Die Induktion ist dementsprechend wirksam, wenn sie auf „nicht Bewegung“ trifft, also wenn der Patient etwas festhält. Letztlich, wenn wir es genau betrachten, sind wir ständig von Induktionen umgeben, wir baden im universellen Chi, die Natur in ihrer Essenz ist pulsativ, nur der Mensch beharrt auf Nichtbewegung, auf Kontrolle, Macht. Wir sind ständig mit Reizen konfrontiert, die Frage ist nur, ob wir uns durchtränken lassen von diesem Ozean von Informationen.
Zum Abschluss ein Zitat von Al Baumann, Gründer der Skantherapie:
So the leap is accepting that the force of life, wherever it will lead, will be an exciting life, will be a full life. And it may look very, very strange to people around you, and bring a lot of gossip all around you. „Oh,look what he does...," „...did you hear” and “did you know...” Because the people who will not accept the morality and the movement of their own body. Energy keeps building - that's the nature of the organism and it must somehow come out. Now you accept your body, it comes out in many ways, as part of the universe. It is automatically religious - not church - but religious, because always you are living „Who am I in the universe?” But the people who can't do that, they must break out and hit out beacause otherwise their bodies will explode. It's called cancer, AIDS, and all the other symptoms of diesase.
Skan Reader, Nov. 1999. Endless Sky Publications.