Food
von Jean Magro. Pädagoge, Skantherapeut, Tai Chi und Chi Gong Lehrer
Nun wollte ich traditionellerweise die Nahrung bzw.die Ernährung reichanisch betrachten und definieren.Wie jeder (vielleicht) weiss, hat Wilhelm Reich den Körper in Segmente unterteilt. Diese Segmenteunterliegen einer historischen Linie, die dem Aufbau des Körpers ,sprich seiner Nahrung. Das okular Segment, auch 1. Segment genannt, verdankt seinen ersten Platz, da bei der Geburt der Säugling erstrangig von der Mutter, kraft Augenkontakt, sich angenommen fühlt. Fühlt sich die Mutter nicht in der Lage ihr Kind willkommen zu heißen, so kontrahiert sich dieses Segment. Aus Schutz wird die Sehfähigkeit des Säuglings erstmal zurückversetzt. Dieser Rückzug des Segments wird von Reich als Panzerung definiert. Der Panzer dient dazu, den Säugling zu schützen, das sich nicht 100% (..bis gar nicht...) angenommen fühlt. Wichtig für den Laien (dabei denke ich dass ein Mensch mit gesundem Verstand und das Herz an der richtigen Stelle, es leicht begreift bzw. nachempfindet) an der Stelle zu wissen, ist dass Reich den Säugling als pulsierendes Wesen definiert, der keine Form von Blockade kennt und deswegen Schmerz 100% annimmt.
Die Form von Distanzierung die wir „normal“ als Erwachsene erfahren, verdanken wir a- einer (graduell pathologischen) Form von Panzerung, die resultiert in b- eine Form von Kognitivität, die meint, Dinge verstanden zu haben bzw. beherrschen zu wollen oder sich selbst beherrschen zu wollen, sprich in Kontrolle zu haben (wollen). Diese Form die wir als Erwachse definieren, ist nichts anders als eine mehr oder minder pathologische Variante des Seins, das soviel „Leben“ dem Körper zuführt ,so dass er „bestehen“ kann.
Zurück zu unserem Säugling. Wichtig ist an der Stelle das Auge als Nahrung wahrzunehmen ,denn das Auge vermittelt das basischste Grundgefühl auf dieser Welt angenommen zu sein. An der Stelle bevor ich zu der materiellen Nahrung durch das Mundsegment komme, bin ich wohl gezwungen, durch das Augensegment von seelische/emotionelle Nahrung zu reden.
Durch das zweite Segment ,den Mund (darüber hinaus HNO) erfährt das Kind, wie das Leben schmeckt.
Ist ja klar , der Mund ist klassischerweise basisch zum Essen da... Ich stelle bewusst das 2. Segment so dar, um das Missverständniss salopp zu unterstreichen. Manch ein Charlie Chaplin hätte auch gern einen seiner Helden wie einen Roboter ernährt, bis er dann merkte, dass es Nährtempo Probleme gibt, geschweige den Verdauungsprobleme.... Noch nicht zu lange her, genau gesagt in den 50er Jahren hat man den stillenden Frauen weissmachen wollen, dass die Milch aus der Dose viel nährender ist als die von der Brust ....und viele Frauen haben sich tatsächlich überzeugen lassen. Um so mehr, weil man zu der Zeit ein paar Marylin Monroes auf der Leinwand posiert hatte, die feste knackige Brüste zur Schau stellten, die wiederum jene stillenden Brüste verblassen liess.
Ausserdem fanden es tatsächlich einige pruden (US) Staaten ziemlich wiederlich und unappetitlich (bis obszön), dass Mütter ihren Säugling in der Öffentlichkeit stillten... Zum Glück haben heutzutage solche Vereine wie die “Leche League“ ,die, basierend auf die Arbeit von Wilhelm Reich, die Mütter darüber informieren, wie wichtig das Stillen für den Säugling ist.
An der Stelle wieder auch, hat die klassische Medizin vergessen zu berücksichtigen, dass es sich auch beim Säugling um ein Wesen mit einem Herzen handelt, das auch kleine Hände hat, die ihm sagen, dass die Haut der Mama sich gut anfühlt und ihm Spass macht, und dass der Kontakt des Mundes mit der Brust sich ebenso schön anfühlt...
Nun nach dieser Darstellung, merke ich dass es nicht ganz ausreicht weil die Sache noch sehr klinisch klingt. Sie ist klinisch geblieben ,die Betrachtungsweise des Menschens als Wunder und dies haben wir auch unter anderem Freud zu verdanken. Er selbst war sich seiner Arbeit bewusst, dass er von dendamaligen Mediziner kein Segen erhalten würde. Er hat seine Mitarbeiter gewarnt ,dass die Kliniker diese Arbeit genauestens untersuchen würden und den kleinsten Fehler an den Pranger hängen sowie die Kirche es damals mit den Hexen tat.
Zu dem Sachverhalt möchte ich mich deshalb etwas distanzieren und referieren zu Forschern die sich weniger dogmatisch mit Wissen auseinander setzen. Nicht diejenigen, die mit gehobenen Zeigefinger zum Denken appellieren. Ob sie Derrida, Foucault heissen, es sind sicherlich nicht Menschen die eine Sockel brauch(t)en, um glaubhafter zu sein. Auch wahrscheinlich nicht einen Verein, um dieses Wissen zu bilden, um vorzugaugeln es sei DIE Wahrheit. Solch ein Mensch ist Howard Buten nicht. Er schreibt, in einem seinen Bücher1 über Autismus: „Ich war verblufft eines Tages zu erfahren, dass es Fachleute für Autismus gibt ,die nie den Autisten in die Augen schauen. Dabei ist es eine unbedingt notwendige Sache !.... Man muss aus seinem Blick ein Haus entstehen lassen, speziell für sie geschaffen, dessen Tür weit offen ist, mit ihren Farben gestrichen, eingerichtet nach ihrem Geschmack.“ (S. 45-46)
Zwischendurch empfinde ich die Gesellschaft als Mutter/Vater Augenverkrüppelten Menschenansammlung, die aus dem okular Defizit wild drauf los legt, alles visuell zu verschlingen um den Urmangel ja nicht nachzuspüren, um ,wie Deleuze und Guattari2 es beschreiben: alle Körperöffnungen vollzustopfen, um die Leere nicht zu spüren.
Mit Einfühlungsvermögen( „ich fühle“ versus „ich denke“) tauchen sie als Philosophen (mit „Ph“ geschrieben...) in die Welt der Junkies und übernehmen ihre triviale Sprache und ich nehme an dass einige sich wohldistinguierten zeitgenössischen Philosophen es “very shocking“ gefunden haben. An der Stelle steigt der wohldenkende Filosof von seinem Rossel ab und wird auf einmal greifbar....sogar für die breite Masse.
Aus der tiefe des Sumpfes steigend, erkennen D. und G.3 dass die visuelle Welt der Konsumgesellschaft ihr Geld mit der nicht produktiven Lust macht, die Lust die das Vermissen gleich verkoppelt ist. Also eine Gesellschaft, die dauernd Mangel erweckt.Aber, sie stellen fest, dass Lust eigentlich mit einem produktiven Trieb einhergeht. Sehnsucht wird oft klassisch als Defizit erfahren (ich habe soooo eine Sehnsucht nach dir). Klassisch wird das „NICHTDA“ unterstrichen, anstatt die FÜLLE der Sehnsucht, die in einem VOLL ist, wahrzunehmen.
Wahrscheinlich haben wir der romantischen Frau Bovary dem Alles zu verdanken (oder zu verdammen) aber sicherlich Flaubert ,der die Frau als hilfloses Geschöpf darstellen wollte. Die Gesellschaft bringt andauernd Stars ,die zum scheitern verurteilt sind...und wenn sie´s nicht sind, dann hilft sie ihnen ein bisschen, damit sie schön auf die Schnauze fallen und damit wären wir wieder bei Wilhelm Reich (mein lieber Willi),der meinte ,dass das Volk die Schönheit von Christus nicht verkraftet hat und Ihn kreuzigen ließ.
Zur Guterletzt aber nochmals auf D. und G. zurückgreifend : Lust ist nicht Wille nach Macht, eher nach Gnade, ich begehre und ich finde nicht wer ich bin, sondern was ich werden möchte und dieses Werden erfährt sich durch die Gnade.
Macht versus Gnade, die Herausforderung lohnt sich ,finde ich.
1 “Il y quelqu´un là-dedans“ (Verlag Odile Jacob“. Leider auf deutsch noch nicht erschienen.)
2 „Tausend Plateaus“ (Merve Verlag)
3 “Anti-Ödipus“ (Suhrkamp Verlag)